Solo Poly, F+, KNM – Die Begriffe der Beziehungswelt

Ein kleines Glossar kann durch den Begriffswald helfen. Da die Überschneidungen teils gross sind, ist eine Abgrenzung leider nicht immer möglich. Letzten Endes bestimmen vor allem die Menschen die Begriffe.

Eine Besonderheit: Der Begriff Offene Beziehung wird im allgemeinen Sprachgebrauch häufig als Gegenbegriff zu einer monogamen oder geschlossenen Beziehung verwendet. Genau genommen ist das jedoch nicht korrekt. Menschen, die den Begriff nutzen, möchten meist ausdrücken, dass ihre Beziehung nicht oder nicht vollständig geschlossen ist. Präziser wäre in vielen Fällen die Bezeichnung nicht-monogame Beziehung, da sie den tatsächlichen Bedeutungsumfang genauer erfasst – auch wenn sie weniger verbreitet ist.

Monogame Beziehung – Eine Beziehung, in der zwei Menschen sich emotional und sexuell exklusiv binden. Fokus auf Klarheit, Stabilität und gegenseitige Verlässlichkeit.

Geschlossene Beziehung – Eine Beziehung mit vollständiger emotionaler und sexueller Exklusivität.

Fernbeziehung – Eine Partnerschaft über räumliche Distanz hinweg. Sie erfordert starke Kommunikation, Vertrauen und regelmässige Verbindungsmomente.

Alternative Beziehungsformen – Alle Modelle, die von traditionellen Mustern abweichen. Sie können monogam, nicht-monogam oder platonisch sein und richten sich individuell nach Konsens und Bedürfnissen.

Nicht-monogame Beziehungen – Beziehungsformen, in denen mehrere romantische oder sexuelle Verbindungen möglich sind. Grundlage sind Offenheit, Zustimmung und transparente Absprachen.

ENM (Ethical Non-Monogamy), KNM (Konsensuelle Nicht-Monogamie) – Oberbegriff für einvernehmliche nicht-monogame Beziehungen. Betonung auf ethischem Handeln, Zustimmung aller Beteiligten und verantwortungsvollem Umgang.

Offene Beziehung – Beziehung, in der sexuelle Kontakte ausserhalb erlaubt sind, während emotionale Bindung oft exklusiv bleibt. Wichtig sind Ehrlichkeit, Absprachen und Vertrauen.

Polyamore Beziehung – Mehrere gleichwertige Liebesbeziehungen mit Einverständnis aller Beteiligten. Getragen von Offenheit, emotionaler Verantwortung und guter Kommunikation.

Hierarchische Polyamorie – Eine polyamore Beziehungsform, bei der Beziehungen in verschiedene Prioritätsstufen eingeteilt werden. Oft gibt es einen Primärpartner mit mehr Verbindlichkeit oder Entscheidungsmacht sowie Sekundär- oder Tertiärbeziehungen.

Polyfidelity – Eine nicht-monogame Beziehungsform, in der alle beteiligten Personen exklusiv innerhalb der Gruppe sind.

Beziehungsanarchie – Ein Ansatz, der Beziehungen ohne feste Normen oder Hierarchien gestaltet. Grundlage sind Autonomie und individuelle Vereinbarungen.

Solo-Poly – Polyamorie ohne Partnerschaft. Die eigene Autonomie steht im Mittelpunkt, trotz möglicher mehrerer Beziehungen.

Mono-Poly-Beziehung – Eine Partnerschaft zwischen einer monogamen und einer polyamoren Person. Wichtig sind klare Absprachen, gegenseitiges Verständnis und Respekt für unterschiedliche Bindungsstile.

Swinging – Gemeinsames oder paralleles Ausleben sexueller Kontakte mit anderen, meist ohne romantische Bindungen. Fokus auf Spass und Einvernehmen.

Freie Beziehung – Offene Struktur ohne strikte Exklusivität, bei der Regeln individuell festgelegt werden. Im Zentrum stehen Freiheit, Kommunikation und Vertrauen.

Friends with Benefits – Freundschaft mit sexuellen Kontakten ohne romantische Verpflichtungen. Erwartungen und Grenzen sind entscheidend.

One-Night-Stand – Ein einmaliger sexueller Kontakt ohne Absicht weiterer Bindung. Charakterisiert durch Spontaneität und klare Abgrenzung.

Lose Beziehung – Eine Verbindung mit geringerer Verbindlichkeit und mehr persönlicher Freiheit. Sie ermöglicht Flexibilität und individuelle Gestaltung.

LAT-Beziehung (Living Apart Together) – Eine feste Partnerschaft mit getrennten Haushalten. Sie verbindet Nähe mit Selbstständigkeit und individuellen Lebensmodellen.

Platonische Beziehung – Eine enge Verbindung ohne sexuelle Komponente. Im Mittelpunkt stehen emotionale Nähe, Vertrauen und Freundschaft.

Mingle-Beziehung – Eine lockere, wenig definierte Beziehung mit sozialen oder sexuellen Kontakten. Der Fokus liegt auf Flexibilität und Offenheit ohne feste Verpflichtungen.

Auflistung nicht abschliessend

Die Grafik zeigt verschiedene Beziehungsformen entlang der Achsen sexuelle und emotionale Exklusivität. Sie macht sichtbar, dass Beziehungen nicht nur „monogam“ oder „offen“ sind, sondern sich in einem breiten Spektrum bewegen. Je nach Grad an Exklusivität und weiteren Kriterien kann die Eingliederung der Begriffe in der Grafik stark variieren und es entstehen unterschiedliche Modelle wie Monogamie, offene Beziehungen, Polyamorie oder Beziehungsanarchie. So wird verständlich, warum ähnliche Begriffe im Alltag oft unterschiedlich verwendet werden.

«Begriffe erhalten ihre eigentliche Bedeutung erst durch die Menschen, die sie verwenden.«

Wenn du das Thema nicht nur lesen, sondern bearbeiten willst, melde dich bei mir.

– Fabio Marti